Wie Donald Trump am WEF in Davos alle in seinen Bann zieht - die grosse Reportage
Wirtschaft
22.1.2026 |
Wie Donald Trump am WEF in Davos alle in seinen Bann zieht - die grosse Reportage
Wie umgehen mit dem Disruptor? Vor acht Jahren wird ihm geschmeichelt, vor sechs Jahren wird er kritisch beäugt. In diesem Jahr demonstriert er seine Macht.
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Wo Donald Trump ist, ist die Aufmerksamkeit. Als er nach seiner Davoser Rede aus einer der vielen Türen im Untergeschoss des Kongresszentrums tritt, stehen die Kameras der Weltpresse schon bereit. «Mister President! Mister President!» Er schreitet ihnen ganz langsam entgegen, alle bekommen ihr Bild von ihm. Wenn er will, hält er an und beantwortet eine Frage. «We’ll see what happens», sagt er einmal, dann geht er weiter. Wir werden sehen, was passiert. Einer der Reporter, der sich auf eine Sofagarnitur gestellt hat, kommentiert live für seinen Sender, dass gerade Trump an ihm vorbeigehe. Hinter dem amerikanischen Präsidenten steht, lächelnd, seine Entourage. Sie folgt ihm, wohin auch immer er geht. ### Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan. Bitte passen Sie die Einstellungen an. Die absolute Ruhe, die Trump auf seinem Gang durch die Davoser Kongressgänge ausstrahlt, ist ein weiteres Insignium seiner Macht. Gerade hat er sein Amerika gelobt («Wir sind das angesagteste Land der Welt!»), gerade hat er die Welt getadelt und auch das Gastgeberland des WEF («Ohne uns wäre die Schweiz nicht mehr die Schweiz!»). Jetzt geht er zufrieden seines Weges. Trump kritisierte in seiner Rede Europa. ---------------------------------------- NZZ/Reuters In Davos haben alle nur auf seine Rede gewartet. Am Morgen schauen draussen auf der Davoser Promenade ein paar Teilnehmer auf einen Live-Ticker, der über Trumps Flugroute informiert. Das Forum läuft längst, aber Trump ist selbst als Gerücht die grösste Geschichte. Ein Fernsehkommentator steht alleine im Schnee und ruft in seine Kamera: «What is Trump going to say?» Er weiss es auch nicht. Schon am Dienstag, am Eröffnungstag, haben alle mit Trump kommuniziert, obwohl er noch gar nicht da war: Er war der Gegner im geopolitischen Schattenboxen. Ursula von der Leyen, die EU-Kommissions-Präsidentin, sagte, Europa werde weiterhin Freihandel über Zölle stellen, faire Partnerschaften über Isolationismus. Der CEO des WEF, Börge Brende, sagte in seiner Rede: «Hoffentlich kehrt nicht der Dschungel zurück.» Die «Rückkehr des Protektionismus» gehört in diesen Tagen zum Standardvokabular in Davos. Als Donald Trump mit dem Helikopter landet und sich mit einem grossen Autokorso in die Kongresshalle aufmacht, ist zumindest allen klar, dass dies keine WEF-typische Rede werden würde. Das Forum von Davos war immer das Forum der Globalisierungselite: Wer sich einen Badge leisten konnte, trug sehr wahrscheinlich dazu bei, dass der internationale Freihandel weiter prosperieren würde – und er profitierte davon. Donald Trump hingegen ist der Rächer dieser Elite, gewählt von Menschen, die nicht von der Globalisierung profitiert haben. So stellt sich immer, wenn Donald Trump nach Davos kommt, die Frage: Wie umgehen mit dem Disruptor der alten Weltordnung?![]()
Wenn er will, hält er an und beantwortet eine Frage: US-Präsident Donald Trump vor den unzähligen Kameras in Davos. «We’ll see what happens», sagt er einmal.Peng Ziyang / Imago
«So great!» ----------- Als er im Jahr 2018 erstmals ans WEF kam, wurde ihm geschmeichelt. «Sie können sich nicht vorstellen», sagte der WEF-Gründer Klaus Schwab ihm zur Begrüssung, «wie sehr wir uns auf Ihre Rede freuen.» Trump wurde rhetorisch umarmt, vielleicht im Glauben, so könne man ihn zähmen. Schwab gratulierte dem «Mistärr Präsident» auch zu einer «historischen Steuerreform». Trump sass vorne auf der Bühne und nickte zufrieden. Draussen im Foyer hatte damals schon ein Mann eine Zeitung hochgehalten, auf der in grossen Buchstaben stand: «Welcome to Switzerland!» Es war der Chefredaktor von «Blick», mit seiner eigenen Zeitung. Der «Blick»-Käfer frohlockte: «Heute kommt Trump – es wird ‹so great!›.» Trump streckte die Zeitung hoch wie eine Trophäe. Als er im Jahr 2020 wiederkam, hatte sich eine vorübergehende Gegenbewegung zu ihm gebildet. Greta Thunberg hatte das WEF heimgesucht, und Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga stand in einem feuerroten Kleid auf der Bühne, weil die Welt in Flammen stehe, wie sie Thunberg zitierte. Dann zeigte Sommaruga einen Ausschnitt aus «More than Honey», einem Schweizer Film über das Artensterben. «Ich wollte aufrütteln», sagte sie hinterher. Auf dem Hang neben dem Landeplatz von Trumps Helikopter stand im Schnee: «Act on climate». Sechs Jahre später, in diesem Januar, kehrt Donald Trump an ein Forum zurück, das sich ihm entgegenbewegt hat. Davos wirkt in diesen Tagen manchmal wie ein amerikanisches Winterresort. An der Promenade haben sich amerikanische Firmen eingemietet. Und in der Kirche der Freien Evangelischen Gemeinde ist das USA House untergebracht. «Freedom 250» steht mottohaft überall, ein Verweis auf das baldige Jubiläum der Staatsgründung von 1776. Freedom – ein programmatischer Gegensatz zu den amerikanischen Zoll-Warnungen der vergangenen Tage, zu Militäroperationen und angedrohten Annexionen. Vor der Kirche steht auf einer Tafel: «Lehre uns zählen unsere Tage, damit wir weise werden.» Ein Bibelspruch. Die Hauptbühne heisst Sanctuary, Heiligtum, die Minister von Trump reden im Altarraum. Davos schimmert rot-weiss-blau. Einzig hinter der Kirche hängt an einem älteren Haus ein Plakat: «Nazi Trump Fuck Off!» Passanten beachten es kaum.
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Alles dreht sich um ihn: Donald Trump landet mit dem Helikopter in Davos.Michael Buholzer / EPA
Indem er redet, schafft er Fakten --------------------------------- An diesem WEF wird deutlich, wie gross die Macht dieser amerikanischen Regierung ist. Es geht nicht mehr darum, wie man auf Trump reagieren soll. Er dominiert alles. Indem er redet, schafft er Fakten. Kaum jemand im Saal, der von ihm nicht zumindest indirekt zurechtgewiesen würde. Irgendwann richtet er sich direkt an die Leute in Davos, «die mir nicht in die Augen schauen wollen», obwohl er stets «sehr fair» zu allen sei. In der Rede, zu der an diesem Mittwochnachmittag so viele strömen, dass unzählige von ihnen abgewiesen werden, hat Donald Trump vor allem eine Botschaft: Die Macht hat Donald Trump, der Rest arrangiere sich. «America first.» Wie hat der amerikanische Handelsminister Howard Lutnick in der «Financial Times» geschrieben? «Wir fahren nicht nach Davos, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Wir werden ihn frontal angehen.» «T-Rex» ------- In den Tagen und Stunden vor Trumps verspäteter Anreise haben bereits seine Minister und Freunde die Podien von Davos dominiert, als eine Art narrativer Begleitschutz. Scott Bessent, sein Finanzminister, lachte am Dienstag über das europäische Verhalten im Grönland-Streit. «Macht mal einen Schritt zurück, atmet tief durch, seid aufgeschlossen, rächt euch nicht!» Er war bestens ausgeleuchtet in seinem Sessel, er lächelte. Die Welt? So sicher wie nie. Die amerikanische Wirtschaft? «Very strong.» Die schwächelnden Börsen? Das habe wohl mit Japan zu tun. «Morgen kommt der Präsident.» Es klang wie eine Verheissung. Als Bessent sprach, sass auch Gavin Newsom im Publikum, der Gouverneur von Kalifornien, der sich als demokratische Gegenfigur zu Trump zu etablieren versucht. Er hatte zwei Hemdknöpfe offen. Sofort stürzten sich nach Bessents Auftritt die Medien auf ihn. Die Grönland-Aktion sei peinlich, sagte er, «ein Witz». «Er ist ein T-Rex», sagt er über Trump, «entweder man verbündet sich mit ihm, oder er verschlingt einen.» Auch am Mittwoch, eineinhalb Stunden vor Trumps Rede, gleitet Newsom durch das Kongresszentrum, begleitet von drei Securitys, auch wenn dann nur eine chinesische Journalistin von ihm wissen will, was er von der chinesischen Energiepolitik halte. Newsom bringt Trump selbst in dieser Antwort unter: «Er führt uns zurück ins 19. Jahrhundert.» Selbst ein Mann wie Newsom gehört – wenn auch als Gegenfigur – in diese neue amerikanische Weltordnung, die in Davos demonstriert wird. Wie umgehen damit? Das ist die Frage dieser Tage. Nachdem Donald Trump seine Rede beendet hat, trifft er sich mit einer Bundesratsdelegation der Schweiz, die er gerade hart angegangen hat. Die Finanzministerin Karin Keller-Sutter hat er sogar nachgeäfft. Im kleinen Kreis erkennt er sie wieder und sagt über sie: «She’s tough.» So wird es Guy Parmelin nachher erzählen. Der Bundespräsident ist an diesem Mittwochabend ins House of Switzerland gekommen. Er muss für die Schweiz die Frage beantworten, wie auf den Auftritt von Trump zu reagieren ist. Parmelin sagt, er werde die Rede nicht kommentieren. Und Davos sei ohne den Präsidenten der USA nicht Davos. Er kritisiert die neue amerikanische Weltordnung nicht, er stellt sie nur fest.
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«Freedom»: Das ist die Botschaft, die auf den Plakaten am USA House leuchtet.Denis Balibouse / Reuters
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«Ohne uns wäre die Schweiz nicht mehr die Schweiz»: Nach seiner Rede begrüsst Donald Trump die Bundesratsdelegation mit Karin Keller-Sutter, Ignazio Cassis und Guy Parmelin.Laurent Gilliéron / Getty